Auditive Verarbeitungsstörungen

AV(W)S

In den vorigen Beiträgen habe ich bereits über periphere Hörstörungen geschrieben. Hierbei liegen die Probleme im Außen-, Mittel- oder Innenohr und es kommt zu einer Schallleitungs- oder Schallempfindungsstörung.


Ist das Hörorgan selbst intakt und die Auffälligkeiten sind im Bereich der zentralen Prozesse des Hörens angesiedelt, so spricht man von einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS), oder Aditiven Verarbeitungsstörungen (AVS). Zu den zentralen Prozessen werden auditive Teilfunktionen gezählt, die in unterschiedlicher Art und Ausprägung betroffen sein können.

„Von einer AVS sollte nur dann gesprochen werden, wenn es sich um eine Störung handelt, die sich in mindestens zwei auditiven Teilfunktionen mittels standardisierten Testverfahren nachweisen lässt.“ (Lauer, Norina) Die Intelligenz liegt im Normbereich.


Pädaudiologen und Pädaudiologinnen sind für die Diagnostik am besten vorbereitet. Patienten und Patientinnen verweise ich in das Universitätsklinikum St. Pölten auf die Kinder- und Jugendabteilung - Logopädie Ambulanz.


AUDITIVE TEILFUNKTIONEN (laut dbl):


-AUDITIVE LOKALISATION (Richtung und Entfernung der Schallquelle)

Das Kind hat Probleme einen versteckten akustischen Stimuli (Wecker,…) zu finden.

-AUDITIVE IDENTIFIKATION (Erkennen) UND DISKRIMINATION (Unterscheiden)

Es gibt Schwierigkeiten auditive Reize (Instrument, Wörter - Minimalpaare) zu erkennen und zu unterscheiden. War das eine Flöte oder Geige? Ich sage dir ein Wort und du zeigst auf das dazugehörige Bild (Hase - Vase; Mond - Mund).

-SELEKTION (Herausfiltern)

Werden mehrere konkurrierende Stimuli angeboten, hat das Kind Probleme die Konzentration auf einen Reiz zu lenken und zu verarbeiten. Es können ebenso Probleme auftreten, wenn die akustische Signalqualität eingeschränkt ist oder Störlärm hinzukommt.

-DICHOTISCHES HÖREN (beidohriges Hören)

Es gibt Probleme gleichzeitig dargebotene aber unterschiedliche akustische Stimuli zu verarbeiten.


Aufmerksamkeits- und Merkfähigkeitsstörungen sollten nicht als auditive Teilfunktionen betrachtet werden!


Welche Stimuli gibt es?

-sprachliche (Laute, Silben, Wörter,…)

-nicht sprachliche (Instrumente, Naturgeräusche,…)


->Aus meiner Sicht sind sprachliche Stimuli zu bevorzugen, um einen Effekt im Bereich der Sprache zu erwirken. Nicht sprachliche Stimuli haben aus meiner Sicht einen geringeren Fortschritt zur Folge. Bei schwer betroffenen Kindern ist der Einstieg über nicht sprachliche Stimuli jedoch erforderlich.


ÜBUNGSVORSCHLÄGE, die für alle Kinder geeignet und Zuhause umsetzbar sind:

-Geräuschmemory

-mehrere Alltagsgegenstände, die Geräusche machen können (Deckel auf Topf, Besteck zusammenklopfen,..), auflegen und während das Kind die Augen schließt (oder hinter Regenschirm verstecken), erklingen lassen; „Was war das?“

-Wecker in einem anderen Raum verstecken und das Kind suchen lassen

-Mama/Papa versteckt sich und sagt immer weider „kuckuck“; das Kind sucht und rät wo man versteckt ist („Ich glaube du bist im Bad“)

-Laute/Silben/Wörter hoch-tief, laut-leise, schnell-langsam vorsagen -> zuvor die Eigenschaften besprechen und dann vom Kind zuordnen lassen

-Signalwort wahrnehmen - bei einem vereinbarten Wort wird eine Geste/Bewegung ausgeführt (Mama liest ein Buch vor: beim Wort Hase muss das Kind die Hasenohren mit den Fingern darstellen/oder einmal hoppeln/…)

-Radiorauschen/Toniebox/Musik aufdrehen und nebenbei müssen Wörter herausgehört werden

(z.B.: Tiermemorykarten auf dem Boden aufleben und während Radiorauschen aufgedreht ist, werden ein/zwei/mehrere Tiere genannt, die das Kind 1. Heraushören und 2. in der gleichen Reihenfolge zeigen soll)

-Mama und Papa sagen gleichzeitig unterschiedliche Laute/Silben/Wörter -> „Was wurde gesagt?“ (auch wieder mit dem Tiermemory möglich)


FOTO: MED-EL