Wie hört mein Kind?

SO WIRD GEHÖRT...

Das Ohr fängt Schallwellen auf, die das Gehirn beispielsweise als Musik oder Sprache interpretiert. Schall ist das Resultat vibrierender Druckwellen. Schnelle Vibrationen erzeugen hohe Töne und langsame Vibrationen erzeugen tiefe Töne.

Schallwellen werden vom AUSSENOHR aufgefangen und gelangen über den äußeren Gehörgang bis zum Trommelfell, einem dünnen Häutchen, das das Außenohr vom Mittelohr trennt. Das Trommelfell wird von den Schallwellen in Schwingung versetzt, wodurch ebenso die im Mittelohr angelegten Gehörknöchelchen mit der mechanischen Weiterleitung des Schalls beginnen. Hammer, Amboss und Steigbügel sind die drei bekannten Knöchelchen, die miteinander verkettet sind. Sie gehören zum MITTELOHR, einem LUFTgefüllten Raum, der über einen direkten Verbindungsgang zur Nase belüftet wird und unerwünschte Sekrete abfließen lässt. Hammer setzt direkt am Trommelfell an und Steigbügel am ovalen Fenster. Das ovale Fenster trennt das FLÜSSIGKEITsgefüllte INNENOHR vom Mittelohr. Im Innenohr befinden sich die Haarsinneszellen, die in der Lage sind unterschiedliche Tonhöhen wahrzunehmen. Dieser Bereich ist für die Umwandlung der mechanischen Energie des Schalls in elektrische Reize verantwortlich. Nach der Umwandlung ist eine Weiterleitung über den Hörnerv zum Gehirn möglich. Die Signale werden den zuständigen Hirnarealen zur Interpretation zugeordnet.

EINE KLEINE PRÜFUNG FÜR ZUHAUSE

Kinder unter einem Jahr:

-Reagiert es auf Geräusche?

-Erschrickt es bei zu lauten Geräuschen?

-Bewegt es den Kopf zu Geräuschquellen?

-Durchläuft ein Kind die zweite Lallphase? (oder verstummt zunehmend?) (ab. 6 Lebensmonat)

-Reagiert ein Kind auf seinen Namen?

Kinder über einem Jahr:

-Sind die/Waren die oben angeführten Punkte unauffällig?

-Reagiert das Kind, wenn es aus einem anderen Raum angesprochen wird?

-Versteht das Kind auch, wenn das Lippenbild wegfällt?

-Werden sprachliche Meilensteine zeitgemäß erreicht?

-Verstehen Mama und Papa die Äußerungen des Kindes zunehmend?

-Spricht ihr Kind in einer angemessenen Lautstärke?

-Stellt es gewöhnlich viele Fragen? (oder muss es häufig nachfragen?)

-> Es sollten deutlich mehr Fragen mit JA beantwortet werden. Ansonsten ist eine Abklärung des Hörens ratsam.


EINE HÖRPRÜFUNG IST ERFOLDERLICH

Das Hören sollte aus meiner Sicht abgeklärt werden, sobald Kinder sprachliche Auffälligkeiten zeigen. Auf das Anraten eine genaue Hörtestung zu veranlassen, höre ich vermehrt die Aussage, dass bereits nach der Geburt ein Hörtest stattgefunden hätte.

Das ist sehr gut, aber aus meiner Sicht wird dieses Verfahren fälschlicherweise als Hörtest benannt. Es handelt sich um die sogenannten OAE’s (Otoakustische Emissionen). Mit diesem Screening kann der Großteil der Kinder mit gravierenden Hörschädigungen herausgefiltert werden. Es bleibt jedoch ein Restrisiko Hörstörungen zu übersehen. Eine genaue Beurteilung der Hörleistung ist durch dieses Screening nicht gegeben.


Warum? Was wird geprüft?

Es kann eine Aussage über die Funktionstüchtigkeit der Weiterleitung des Schalls vom Außenohr bis hin zu den Haarsinneszellen (Innenohr) abgegeben werden. Der weitere Weg vom Hirnnerv bis zu den Gehirnarealen wird NICHT überprüft. Daher ist es aus meiner Sicht kein vollständiger Hörtest.


Das Testgerät sendet Töne ans Ohr und filtert zurückgestrahlte Töne, die von den äußeren Haarsinneszellen (Emissionen) ausgehen. Das bedeutet: Kommt ein Schall beim Innenohr an, ist das Außenohr mit dem Mittelohr durch ein funktionsfähiges Trommelfell verbunden und eine angrenzende und bewegliche Gehörknöchelchenkette angelegt. Erst nach dem Passieren dieser Abschnitte gelangt der Schall bei den Haarsinneszellen an und versetzt diese in Schwingung, wodurch es zur Rücksendung von Tönen kommt, die vom Gerät aufgezeichnet werden.


Metapher: Auf eine E-Mail (Schallwellen), die einer Behörde (Ohr) geschickt wird, wird meist mit einer automatisierten Antwort (Emissionen der äußeren Haarsinneszellen) reagiert. Ob die Mail tatsächlich von der spezifischen Abteilung der Behörde (Gehirn - Hörzentrale) bearbeitet wird oder nicht ist wahrscheinlich aber es besteht eine Restchance, dass dem nicht so ist.


!!!

Im Babyalter ist eine Beurteilung des Hörens mittels BERA, einer Hirnstammaudiometrie, möglich.


DAHER: Auch wenn die OAE’s UNauffällig waren: Besteht der Verdacht einer Hörstörung, ist es ratsam einen Audiologen/eine Audiologin aufzusuchen. Die Entwicklung eines Kindes ist zu kostbar, um ein Risiko einzugehen.


FOTO: MED-EL